Baugeschichte Schloss

Bauforschung am Schloss Birstein- von mittelalterlicher Burg zum Barockschloss

Einleitung

Die Schlossanlage in Birstein ist seit dem 16. Jh. Sitz der Grafen- und ab 1744 Fürsten von Isenburg. Das Haus Isenburg gehört zu einem der ältesten Fürstengeschlechter im Deutschen Reich, und hat sich in allen Epochen an der Architekturentwicklung in der Region intensiv beteiligt und die Architekturlandschaft damit wesentlich geprägt. Archivalische Quellen zeigen eine lange Baugeschichte von Schlosse Birstein, das von einer mittelalterlichen Burg bis hin zu einem Renaissanceschloss, einer repräsentativen barocken Schlossanlage und kleineren Veränderungen im 19. und 20. Jh. reicht. Eine bauarchäologische Untersuchung der vorhandenen Bausubstanz und eine Verifizierung der Quellen auf Gebäudebereiche der heutigen Anlage fehlen aber bisher. Ziel der Arbeit zur Bauforschung ist es, das Erscheinungsbild der Anlage während ihrer unterschiedlichen Ausbauphasen zu zeigen und diese mit der Baugeschichte der Schlossanlage in Verbindung zu bringen. Besonderer Wert wird hierbei auf die Phase zur Zeit der Renaissance gelegt, da aus dieser Zeit bedeutende Umbauten stammen.

Das Schloss hat eine herausragende architekturgeschichtliche Bedeutung, da die Anlage den allmählichen Ausbau der mittelalterlichen Burg zu einer wohnlichen Residenz über mindestens fünf Jahrhunderte zeigt. Dies ist durch den sehr gut erhaltenen historischen Bestand baulich ablesbar und durch die Mittel der Bauforschung nachweisbar, so dass hier exemplarisch der Wandel von einer Wehrburg zu einem Wohnschloss untersucht werden kann.

Überblick Anlage

Abb. 1

Schloss Birstein besteht aus mehreren Flügeln und Stützmauern, die sich um drei hintereinander gelegene Höfe auf dem Rücken eines Bergsporns gruppieren (1. Hof- Eingangshof; 2. Hof- Höfchen; 3. Hof- Kutschenhof) [1]. Ein weitläufiger Landschaftsgarten an den Hängen des Hügels fasst das Schloss ein. Der heutige Zugang erfolgt von der Dorfseite im Norden. Durch den Bau der Anlage auf einem natürlichen Bergsporn, liegen die Höfe und die einzelnen Flügel auf unterschiedlichen Höhenniveaus. Dabei ist der Bereich um den zweiten Hof am höchsten, der erste Hof im Norden mit seinen Gebäuden am tiefsten gelegen. Die Niveaus der Höfe unterscheiden sich um bis zu 5 m (Abb.1).

Im Norden der Anlage befindet sich der erste Hof (Eingangshof), der mit drei zusammenhängenden Flügeln dem sogenannten Archivbau umrandet ist. Im Süden des Hofes schliesst das Kernschloss an. An der Westseite sind Archivbau und Kernschloss durch einen eingeschossigen Anbau mit Durchfahrt aus dem 20. Jh. verbunden.

Das Kernschloss gruppiert sich in einer unregelmässigen Vierflügelanlage um den zweiten Hof (Höfchen). Es besteht aus dem Hauptbau im Norden, dem Fürstenbau im Osten, dem Kapellenbau im Süden und dem Küchenbau im Westen.

Der dritte und südlichste Hof (Kutschenhof) ist nur von drei Seiten mit Gebäuden umschlossen. Im Süden wird die Anlage durch den Kutschenflügel abgeschlossen. An der Westseite des Hofs steht der Verbindungsbau, der den Kutschenflügel und das Kernschloss miteinander verbindet, während die Ostseite des Hofes von einer Stützmauer begrenzt wird.

[1] Ludwig Bickell veröffentlichte 1901 einen Grundrissplan mit Bezeichnungen der einzelnen Gebäude in „Die Bau- und Kunstdenkmäler im Regierungsbezirk Cassel:1. Kreis Gelnhausen.“ Die Bezeichnungen der einzelnen Flügel sind zum grossen Teil aus dieser Veröffentlichung übernommen.

Arbeitsmethodik

Um den Bestand bewerten und den Bauablauf bestimmen zu können, wurde eine Dokumentation in Form von verformungsgetreuen Plänen in Massstäben von 1:100 bis 1:20 und eine detaillierte Befundaufnahme an der gesamten Anlage vorgenommen. Da durch das felsige Gelände die Gebäude auf unterschiedlichen Höhen liegen und zusätzlich unterschiedliche Raumhöhen aufweisen, ist eine systematische Aufnahme einzelner Gebäudebereiche und ihre Benennung sehr kompliziert. Dementsprechend wurde die Anlage nicht über einzelne Geschosse definiert, sondern in Ebenen eingeteilt, die sich über die gesamte Anlage ziehen um die Grundrisspläne besser lesbar zu machen.

Neben der Erstellung von Plänen, Grundrissen und Schnitten, wurden besondere Merkmale als Befunde festgehalten, eindeutig nummeriert, fotografiert, beschrieben und in einem Katalog aufgenommen, der die Suche nach einzelnen Informationen und Befunden erleichtert.

Bauabschnitte

Die Grundlage für alle bisherigen Datierungen der einzelnen Bauphasen bilden zum grossen Teil die Inschriften, die in grosser Zahl an verschiedenen Portalen zu finden sind. Sie suggerieren zwar zunächst eine klare Datierung und Bauabfolge der Gebäude, mit denen sich seit Anfang des 20. Jh. mehrere Forscher beschäftigt haben, liefern bei genauerer Betrachtung allerdings nur Hinweise über den Ausbau der Anlage im 16. Jh.

An der Gesamte Anlage lassen sich insgesamt 9 grosse Bauabschnitte finden. Drei Phasen im Mittelalter, drei Phasen in der Renaissance, die zeitlich sehr dicht aneinander liegen, eine grosse Ausbauphase im Barock, eine Phase, die dem 19. Jh. zugeordnet werden kann und eine neuzeitliche Phase, die Umbauten von Anfang des 20.Jh bis heute umfasst (Abb.2).

Erste mittelalterliche Phase (1. Phase)

Anhand von Mauerbefunden, die sich im Kutschenflügel, im Küchenbau und im Fürstenbau finden, lässt sich eine erste mittelalterliche Phase der Anlage erkennen. Die Südwand des Kutschenflügels ist sehr dick und weist regelmässige Bögen auf, die auf eine Befestigungsmauer hinweisen. Im Bereich des Küchenbaus gibt es Mauern, die sich durch ihre Stärke deutlich von den umliegenden Mauern unterscheiden und ein Rechteck bilden. Solche Mauerstücke finden sich ebenfalls an der westlichen Aussenmauer im Bereich des Küchenbaus, ebenso im untersten Geschoss des im Osten gegenübergelegenen Fürstenbaus und an der Südseite des Kapellenbaus. In der Westwand des Fürstenbaus sind ausserdem Ansätze einer Quermauer zu sehen, die heute nicht mehr existiert, sowie ein grosses Tor in der Nordwand.

Aus diesen Befunden lässt sich eine Anlage rekonstruieren, die einen rechteckigen Palas an der Stelle des heutigen Küchenbaus besessen hat, diesem gegenübergelegen befand sich ein Torbau, der sich heute im Untergeschoss des Fürstenbaus finden lässt und von Norden aus betreten wurde. Zwischen diesen beiden Gebäuden stand ein Bergfried, der auch heute noch vorhanden ist, und der zumindest in den unteren Geschossen der ersten Mittelalterphase zuzurechnen ist. Das Ganze wurde umfasst von einer Burgmauer mit mindestens zwei Türmen, die die Anlage in zwei Bereiche teilte (heutiger 2. und 3. Hof). Zusätzlich lässt sich vermuten, dass im Norden vor der Anlage ein Halsgraben die Burg vom restlichen Sporn abtrennte. Auch ein weiterer Hof, der nördlich vor dem Halsgraben lag, lässt sich nicht ausschliessen. Beides würde sich im Bereich des heutigen Eingangshofes befinden.

Die Anlage ist zu dieser Zeit als reine Wehranlage zu betrachten.

Zweite mittelalterliche Phase (2. Phase)

Zu einer zweiten mittelalterlichen Phase gehören Erweiterungen innerhalb der Burgmauern. Am deutlichsten zu erkennen ist dies am Kutschenflügel. Hier finden sich auf Grund von Balkenlöchern und veränderter Deckenkonstruktion Hinweise auf einen eingeschossigen Bau, der sich an die vorhandene Befestigungsmauer anlehnt. Im Bereich des Fürstenbaus lassen Quermauern im Süden eine Erweiterung des Eingangsbereichs erkennen.

Es lässt sich in dieser Phase rekonstruieren, dass die Anlage mit einem eingeschossigen festen Gebäude im Süden erweitert und die Zwingersituation im Eingangsbereich verstärkt wird. Das Gebäude im Süden ist dabei wahrscheinlich ein Wirtschaftsgebäude ohne repräsentative Funktion. Bei den Veränderungen handelt es sich um Erweiterungen, die die Wehrfunktion der Anlage nicht beeinträchtigen.

Dritte mittelalterliche Phase (3. Phase)

Hinweise für eine dritte und letzte mittelalterliche Phase lassen sich wieder im Bereich des Kutschenflügels finden. Mauerverläufe und Abbruchkanten weisen hier deutlich auf einen fast quadratischen Turm an der Südwestecke des heutigen Gebäudes hin, der über die bisherige Befestigungsmauer hinausragt und zu dieser leicht verdreht ist.

Dieser Umbau unterstreicht die Wehrfunktion der Anlage da hier ein grosser Turm mit Fernwirkung angebaut wird.

Erste Renaissancephase (4.Phase)

Zur ersten Phase der Renaissance gehören der Bau des heutigen Fürstenbaus und der Bau eines ersten Gebäudes im Bereich des heutigen Kapellenbaus. Im unteren Geschoss des Fürstenbaus, ist deutlich zu erkennen, dass das heutige unregelmässige Tonnengewölbe, das hier zu finden ist, vor eine bestehende Mauer gesetzt wurde. Zusammen mit dem Gewölbe entstanden wohl auch die heutigen oberen Geschosse des Baus. Laut Bickell geht aus den Quellen hervor, dass dieser Bau um 1527 entstanden ist [2]. Im Bereich des Kapellenbaus lassen sich heute im Inneren Quermauern finden, deren Mauerstärke zu dick für einfache Innenwände sind. Sie weisen darauf hin, dass ein erstes Gebäude an dieser Stelle gestanden haben muss, dass noch nicht die Ausmasse des heutigen Kapellenbaus besass. Befunde am Kutschenflügel zeigen, dass auch hier kleine Veränderungen vorgenommen wurden, die die Aufteilung der Fassade und die Zugänge betreffen.

Zur Zeit der ersten Renaissancephase lässt sich eine Anlage rekonstruieren, die neben dem bisherigen Hauptgebäude im Westen einen neuen repräsentativen Bau im Osten anstelle des Torhauses bekommt. Damit ändert sich auch die Zugangssituation, die dann wahrscheinlich, wie heute, östlich am Fürstenbau vorbeigeführt hat. Des Weiteren entsteht ein Gebäude, das sich an die Quermauer anschliesst, die die Anlage in zwei Bereiche teilt und an der Stelle des heutigen Kapellenbaus sitzt. Es ist anzunehmen, dass es sich bei dem Gebäude um eine erste Kapelle handelte. Die Veränderungen am Kutschenflügel zeigen eine Aufwertung des Gebäudes mit symmetrischem Aufbau und profilierten Gewänden. Auch ein Ausbau des 1. Hofes im Norden scheint in diesen Zusammenhang zu stehen. Der grosse Turm im Norden der Anlage dürfte aus dieser Zeit stammen, ebenso wie eine deutlichere Befestigung dieses Hofes.

In dieser Phase des Ausbaus ist die ehemalige Burg schon in den Besitz der Isenburger übergegangen. Es ist deutlich zu erkennen, dass nun eine Änderung der Nutzung stattfindet. Die Wehrfunktion der Anlage ist immer noch gegeben jedoch scheint das Augenmerk des Ausbaus auf den repräsentativen Gebäuden zu liegen.

Zweite Renaissancephase (5. Phase)

In der zweiten Renaissancephase finden sich hauptsächlich Befunde zu Veränderungen an den bestehenden Gebäuden. Fenstergewände und Türprofile geben Hinweise auf eine Veränderung der Fassade des Küchenbaus, sowie der Innenaufteilung des Gebäudes. Ebenso zeigen Jahreszahlen an Türprofilen, dass die heute noch vorhandenen Treppentürme zu dieser Zeit an Fürstenbau und Küchenbau angesetzt werden. Zusätzlich wird an den Fürstenbau ein Erker im Süden angesetzt, was ebenfalls durch eine Jahreszahl belegt ist. Mit Hilfe dieser Zahlen können diese Umbauten in die Zeit um 1549 gesetzt werden.

Zusätzlich zu diesen Veränderungen ist wahrscheinlich im Norden der Bau des Renaissanceflügels im Gange, der aber zu diesem Zeitpunkt noch nicht fertiggestellt ist. Es erfolgt langsam der Umbau zum repräsentativen Renaissanceschloss.

Des Weiteren umfasst die zweite Renaissancephase grössere Umbaute im südlichen Hof, sowie Erweiterungen bestehender Gebäude. Befunde am Treppenturm und in der Konstruktion der Zwischendecke des Kutschenflügels zeigen, dass das Gebäude zu diesem Zeitpunkt ein zweites Geschoss bekommt. Jahreszahlen an Türprofilen im Osten des Kapellenbaus, sowie der eckige Treppenturm im Höfchen, der sich vor Fenster des Küchenbaus setzt und einen Zugang zum Kapellenbau darstellt, geben Hinweis darauf, dass der Kapellenbau in seiner heutigen Ausdehnung in dieser Bauphase entstanden ist. Zeitlich sind diese Bauvorgänge durch besagte Jahreszahlen in die Zeit um 1553-1555 einzuordnen. Zu dieser Zeit dürfte nun auch der Bau des Renaissanceflügels im Norden abschlossen und die Umwandlung von Wehrburg zu Renaissanceschloss vollzogen sein.

Dritte Renaissancephase (6.Phase)

Befunde zur vierten Renaissancephase zeigen Neubauten entlang der westlichen Befestigungsmauer, sowie kleine schmuckvolle Veränderungen im Höfchen. In dieser Phase entstehen der Verbindungsflügel im Süden, wahrscheinlich in seinen heutigen Ausmassen, aber mit anderer Innenaufteilung, sowie die Gebäude westlich des Küchenbaus an der Westmauer. Des Weiteren zählen die Portale am Treppenturm des Fürstenbaus und des Kapellenbaus dazu. Sie sind mit Jahreszahlen versehen. Über diese Jahreszahlen lässt sich die vierte Renaissancephase in die Zeit um 1596 einordnen, wobei der Verbindungsflügel auch schon früher entstanden sein kann. Die Literatur benennt ausserdem Umbauen am Hauptflügel und Bauten im 1. Hof für einen Bauabschnitt bis 1604.[2] Dazu zählen Gebäude an Nord-, Ost- und Westseite des 1. Hofes, sowie Mauern und Gebäude, die den Hof mit dem restlichen Schloss verbinden.

In dieser letzten Renaissancephase ist damit der maximale Ausbau des Renaissanceschlosses erreicht.

Barock Phase (7.Phase)

Es folgt ein grosser Schritt in die Zeit des Barock. In einem ersten Abschnitt um 1733 entstehen die Gebäude im ersten Hof, die auch heute noch vorhanden sind. Bei dem nördlichen und östlichen Flügel handelt es sich hier zum grossen Teil um einen Neubau, während die Gebäude im Osten und Westen nur verändert werden, besonders, was die Fassadengestaltung zum Hof hin angeht.

Ein späterer Abschnitt der Barockphase umfasst den Neubau des Hauptflügels. Der alte Renaissanceflügel wird dabei abgerissen und an seine Stelle ein grosser Barockflügel gestellt. Quellen belegen den Bau auf 1768. Gleichzeitig mit dem Neubau des Fassadenflügels werden wahrscheinlich auch Innenaufteilungen im Fürstenbau und im angrenzenden Bereich des Küchenbaus vorgenommen.

Auch dieser Umbau erfolgt mit dem Gedanken der Repräsentation. Die Isenburger Grafen waren in den Fürstenstand erhoben. Das Renaissanceschloss war nicht mehr zeitgemäss und für eine entsprechende Repräsentation nicht mehr ausreichend. Zumal die vorhandenen Räume zu klein und nur kaum mit der Vorstellung von barocken, repräsentativen Sälen zu verbinden waren.

Phase 19. Jh. (8.Phase)

Zu einer Phase im 19. Jh. sind hauptsächlich Innenausbauten und Veränderungen der Fenster in den Flügeln des letzten Hofes zuzurechnen. Eine Jahreszahl an einer Tür im Obergeschoss des Kutschenflügels weist auf den Innenausbau im 19. Jh. hin. Es sind aufwändige Vertäfelungen und regelmässig angeordnete Fenster zu finden. Diese regelmässige Fensteraufteilung findet sich auch im Obergeschoss des Verbindungsbaus wieder, wird also zur gleichen Zeit entstanden sein. Auch Raumaufteilungen in Küchenbau und Kapellenbau lassen sich in diese Phase setzen.

Abgesehen von den Veränderungen am Schloss selbst, fand im 19. Jh. auch die Anlage des grossen Landschaftsgartens statt, der sich an den Hängen des Bergsporns befindet.

Phase 20. Jh. (9. Phase)

Zu der letzten Phase im 20. Jh. zählen nur kleine Veränderungen. Hauptsächlich handelt es sich dabei um Veränderungen der Raumaufteilung und kleinen äusserlichen Veränderungen an den Gebäuden wie z.B. ein Erker an der Nordseite des Kapellenbaus oder ein Türmchen mit Fachwerkaufsatz am Kutschenflügel. Zusätzlich wurden Elemente im ersten Hof zugefügt, die den Eindruck des barocken Hofes verstärken. So stammen z. B. der Brunnen, der heute in der Mitte des Hofes steht und eine geschwungene Freitreppe, die im Osten in den Landschaftsgarten führt, erst aus dem 20. Jh.

[2] [3] Bickell, Ludwig: Die Bau- und Kunstdenkmäler im Regierungsbezirk Cassel: 1. Kreis Gelnhausen. S. 129-138

Abb. 2

Zusammenfassung

Die Entwicklung der Anlage von Schloss Birstein zeigt eindrücklich, wie aus der Burganlage, trotz der schwierigen Topographie erst ein grosses Renaissanceschloss und später ein Barockschloss entstanden ist. Die einzelnen Rekonstruktionen der Bauabschnitte zeigen diesen Wandel anschaulich. Dabei wird deutlich, dass es bei dem Ausbau zum Renaissanceschloss wohl keinen Gesamtplan für die Anlage gab, sondern das Schloss aus zahlreichen An- und Umbauten gewachsen ist. Die vielen unterschiedlichen Fassaden und Dachhöhen, die auch heute noch am Schloss zu finden sind und die einzelnen Gebäude, die zwar alle miteinander verbunden sind, jedoch, besonders von aussen, nicht als Einheit wahrgenommen werden, zeigen dies deutlich. Für die Schlossbauten dieser Zeit im heutigen hessischen Raum, scheint diese Entwicklung ein herauragendes Beispiel zu sein. Zwar zeigt sich bei einigen Schlössern eine Tendenz zur regelmässigen und einheitlichen (Vierflügel-) Anlage, jedoch entstehen diese oft erst ab der zweiten Hälfte des 16. Jh. und unter geringerem Einbezug vorhandener Strukturen [4]. Häufiger erkennt man den Aufbau ähnlich wie bei Schloss Birstein, wo bestehende Strukturen erweitert und umgebaut werden um einem Veränderten Anspruch an Platz oder Repräsentation gerecht zu werden.

Dipl.- Ing. (FH) Astrid Stock

[4] Grossmann, G. Ulrich: Renaissanceschlösser in Hessen. Architektur zwischen Reformation und Dreissigjährigem Krieg.

Virtueller Rundgang

  • Der erste Weg führt Sie als Besucher durch das Portal des Archiv- und Kanzleibaus, der 1733 durch den hanauischen Baumeister Christian Ludwig Hermann errichtet wurde.

  • Der große Hof, der nun vor Ihnen liegt, wird zu Ihrer rechten Seite vom alten Brauhaus flankiert, an den sich eine Kutschendurchfahrt anschließt.

  • Links sehen Sie das Marstallgebäude mit seinen Räumlichkeiten für Stallungen und Kutschen.

  • Gegenüber präsentiert sich Ihnen das Neue Schloss, der zentrale Bau der heutigen Anlage aus den Jahren 1764-1768. Ein imposanter Springbrunnen dominiert die Gartenanlage in der Mitte des Hofes.

  • Zwischen Marstall und neuem Schloss auf der Südostseite des Hofes gelangen Sie über eine elegante Steintreppe in den das Schloss umgebenden Landschaftsgarten aus dem 19. Jahrhundert.

  • Auch die übrigen Teile der Anlage erreichen Sie hier: ein Torbogen im neuen Schloss führt Sie am Ostflügel der alten Burg entlang hin zum Vorhof, also dem Hof, der einst den Eingang zur Burg darstellte.

  • Über den Vorhof gelangten Besucher ursprünglich ins Schloss. Heute beschließt er die Anlage nach Süden hin.

  • Der Kapellenbau säumt auf der Südseite den Eingang in den gemütlichen Innenhof der Kernburg, der ferner umschlossen wird vom Küchenbau im Westen, dem Neuen Bau im Osten und dem Neuen Schloss im Norden. Insgesamt drei Treppentürme wurden nachträglich an die Gebäudeteile angesetzt, so dass ein bequemer Zugang zu allen Schlossteilen möglich ist.

  • Blick vom Kernhof zurück in Richtung Vorhof

  • Der Kaminsalon im Neuen Schloss

  • Über eine elegant geschwungene Treppe gelangt der Besucher in den ersten Stock, wo sich unter anderem der historische Stucksaal befindet.

  • Roter Saal

  • Der festlich eingedeckte Grüne Saal

  • Blick in den Weißen Saal des Neuen Schlosses

  • Die einzelnen Schlossteile sind mit Durchgängen verbunden.

  • Zwischen all den Büchern findet man Ruhe und Entspannung.

  • Die Schlossbibliothek: Hier sind die großen Werke der Weltliteratur vertreten.

  • Die Kapelle ist im Neuen Schloss.

  • Fürstin Charlotte trug dieses Kleid während des Wiener Kongresses (1815)

  • Der Kaminsalon im ersten Stock des Neuen Schlosses.

  • Im historischen Stucksaal von Schloss Birstein fanden zahlreiche standesamtliche Trauungen statt.

  • Gute Seelen im Grünen Saal